(Abschrift mit freundlicher Genehmigung von 4.4.2002 von Herrn Wilhelm Honselmann)

 

Das Viehschatzregister von 1589

für Stadt und Amt Menden

 

Von Wilhelm Honselmann

 

Der Kölnische Krieg (1583-1588) hatte das Herzogtum Westfalen in große Not gebracht. Auf jedem Landtag wurden damals neue Steuern ausgeschrieben und von den Landständen wohl oder übel auch gebilligt. Auf dem Landtag in Rüthen, der im Februar 1589 abgehalten wurde, beschloß man eine Viehsteuer zu erheben. Kaspar von Fürstenberg vermerkt am 21.Febr. 1589 in seinem Tagebuch:“ Ich komme zeitlich in Rüden ahn, finde Landtrost und Reeth alda. Wirdt die proposition abgelesen und beratschlagt. Gehet unser ellendt Kriegswesen ahn und fernere Beschatzung des verarmten landts. – 22.Seltsame geschwinde Rattschlege gehen umb. In summa das landt gehet zu grunde“a).

Der Landdrost Graf Eberhard zu Solms schickte am 13. und 14. März 1589 eine Anweisung über die Erhebung der auf dem Landtag beschlossenen Viehsteuer an die Amtsdrosten. Sie beginnt:“Zu wissen, daß auff negst gehaltenen Landtag binnen der statt Rüden in dieser ganzen Westphälischen landtschafft ein durchgehende Viehschatzung über alles Vihe, sowohl den geistlichen als weltlichen, adelichen undt unadelichen unterthanen zugehörig, bewilligt worden. Damit nuhn solche Vieheschatzung ohn alle partheiligkeit der gebühr richtig ein undt zusammengebracht werde, soll nachfolgende ordnung dabey gehalten undt bey ernstlicher straff keine weg überschritten werden.“ Danach werden ausfühliche Anordnungen über die Erhebung der Steuer gemacht. Zum Schluß heißt es dann:“So wirdt auch dieß den Gogräffen, richtern  auch bürgermeistern undt räthen der stätte undt freyheiten befohlen, neben berürter Vihestewe die restanten, so von voriger schatzungen, acciß, licenten, reuter- undt soldatengelt, auch voriger Vihstewer noch unbezahlet, noch sonsten unverzüglich einzufordern undt bey zu bringen, alles bey straff, so die ungehorsamen hinbefür communiciret undt getrewet werden“ b).

Landdrost Graf Eberhard zu Solms c) hatte schon am 28. Februar 1589 dem Richter Anton Blankebeil zu Körbecke mitgeteilt, wie es mit der Erhebung der Steuer gehalten werden sollte. In drei Raten  wollte man sie erheben; die erste Rate auf Judica (19.März), die zweite auf Exaudi (14.Mai) und die letzte auf Galli (16.Okt.). Für ein Pferd betrug der Steuersatz 1 Taler; für eine Kuh und ein zweijähriges Rind ein halber Taler; für ein einjähriges Schaf, Schwein oder Ziege je drei Schillinge d).

Leider ist bis jetzt nur eine dieser Schatzungslisten bekannt geworden. Die für Stadt und Amt Menden, die in der „Chronica oder Geschicht Buch was sich circa annum 1583 undt weiter unter verwirreter regierung des ohnglücklichen Churfürsten Truchsessii undt dessen nachfolger Churfürst Ernesten vor undt nach zu getragen“ aufgenommen wurde e).

Der Schreiber der Chronik war mit denFamiliennamen in Stadt und Amt Menden nicht vertraut und so finden sich eine Reihe von Lesefehlern. Ach der Vorname Thonies war ihm nicht geläufig und er liest ihn als Thomes(Thomas). Bei dem Vornamen Thomes sind also Zweifel an der Richtigkeit am Platze. Trotzdem ist das Verzeichnis eine Fundgrube für den Familienforscher, da es allem Anschein nach sämtliche Haushaltungen aufführt. Verzeichnet es doch auch die Leute, die arm (pauper) waren und kein Vieh hatten.

Wertvoll sind auch die Angaben über die Einwohner der Herrschaft Sümmern die in Bonn in Gefangenschaft gesessen hatten oder gefallen waren. An der Haar, also in der Schlacht bei Bremen (Kr. Soest) am 2. März 1586 f), war aus der Herrschaft Engelbert Richter gefallen.

Für  das übrige Amt Menden werden ähnliche Angaben nicht gemacht. Vermutlich hatte das Domkapitel in Köln, als Lehnsherr des Oberhofes Sümmern, die wehrfähigen Bewohner der Unterhöfe zu den Waffen rufen lassen.

Ergänzende Nachrichten zu den Höfen und ihren Besitzern werden in Anmerkungen gemacht. Diese tragen die gleichen Nummern wie der Hof oder die Haushaltung im Register. Unter den Grundeigentümern sind neben dem Landesherrn, dem Kurfürsten von Köln, die Klöster Fröndenberg und Ölinghausen vertreten. Ferner die Oberhöfe Brockhausen (bei Unna), Menden, Schwerte-Halingen und Sümmern g), sowie die Besitzer der Adelshäuser der Umgegend und einige Bürgerfamilien aus Menden. Bauern die auf eigenem Grund saßen sind nicht bekannt geworden.

In der Handschrift sind für jede Familie der Stadt Menden ein Drittel der Abgaben verzeichnet, auf deren Wiedergabe verzichtet wurde, da die Höhe der Steuer schnell errechnet werden kann. Die Gesamtsumme des Drittels nach der Handschrift ist dagegen am Schluß verzeichnet. Die in der Vorlage fehlende Gesamtsumme des Viehes in der Stadt Menden stammt vom Herausgeber. Folgende Abkürzungen werden gebraucht: Pf.=Pferde, K.=Kühe, St.=Sterken, Schw.=Schweine, Scha.=Schafe, Z.=Ziegen.

 

a) Das Leben und Wirken Caspars von Fürstenberg nach dessen Tagebüchern. Hrsg. von F.I.Pieler (1873) S.125

b) Chronica (Vgl. Anm. e) Bl.178ff.

c) Eberhard Graf zu Solms, Herr zu Münzenberg und Sonnenwalde, wie er sich selbst in seinen Briefen nennt, wurde 1530 als Sohn des Grafen Bernhard zu Solms - Lich (1491-1562) und der Gräfin Maria zu Sayn (1505-1586) geboren. Im Kölnischen Krieg stand er auf Seiten des Kurfürsten Ernst, während sein jüngster Bruder, der Kölner Domherr Hermann Adolf, einer der eifrigsten Parteigänger des Gebhard Truchseß war. (Allgemeine Deutsche Biographie 34, 1892,S.583) Eberhard starb am 30.Juni 1600 in Arnsberg, wie Kaspar von Fürstenberg berichtet.(A.a.O.S.228)

d) 1 Taler = 26 Schillinge; 1 Schilling = 12 Pfennig (Deut?)

e) Im Titel heißt es dann weiter:” Durch geführte Correspondentzen, gepflogene consilia, gehaltene landtage und deren abschiede, zu Rhüden, Arnsberg, Brielon, Geseke etc. in Müntzwesen, contribution, zehenten, landtsbeschwerden, gerichts- undt policey-ordnung biß ad Annum 1607 cum indice.“ Die Handschrift befindet sich unter der Signatur Fü 3578a in der Erzb.Akad.Bibliothek in Paderborn. Sie wurde „ex originali in Melschede“ gemacht. Wie ich kürzlich feststellte – als der Beitrag schon gesetzt war – hat dieses Manuskript im

Archiv des Freiherrn von Werde - Melschede A. Hoeynck für seine Abhandlung: Die Truchsessischen Religionswirren (Westf. Zeitschr. 52II, 1894, S.1ff.und 53 II, 1895, S.1ff) benutzt, wie er 52,S.16, Anm.2 vermerkt. Hoeynck geht 53, S.91 ff. auch auf das vorliegende Schatzregister ein, wo er in Anmerkungen die Angaben über den Adel und die Geschädigten in der Herrschaft Sümmern macht. Er hat aus dem Original einige Namen verlesen. So Holthem statt Kotten, Daxberg statt Gaxberg und Lueckesche statt Euecksche (=Eveecksche).

f) J.Deneke: Das Treffen beim Kirchdorf Bremen. (Westf. Zeitschr. 18, 1857,S.210-218) – Hermann Vasbach der selbst an der Schlacht teilnahm, berichtet, daß aus Hundem sieben gefallen waren. (P.Best-Vasbach: Die Vasbach auf der Vasbaxh, 1946,S.20) – Am 3.Jan.1587 schreibt Johann Vogt zu Ebbinghof (b.Fredeburg), daß sein einziger Sohn in der Schlacht bei Bremen gefallen sei. (Staatarch. Münster, OLG Arnsberg, Lehnsregistratur.)

g) Über die Grundherrschaften unterrichtet die nachstehende Literatur. G.v.Roden : Wirtschaftliche Entwicklung und bäuerliches Recht des Stiftes Fröndenberg an der Ruhr (1936) – F.Fischer : Die Wirtschaftsgeschichte des Prämonstratenserinnenklosters Ölinghausen. (1916) – E.Matthias : Der Essener Oberhof Brockhausen (1919) – H.Esser : Beiträge zur Geschichte von Sümmern. (Heimatblätter für Hohenlimburg und Umgegend Jg.4. 1930, H.4,5) –

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